Der Prophet Mohammad war im Namen des gihades (Heiligen Krieges), von Süden her aufgebrochen, und die Kamelnomaden der
folgenden Kalifan hatten als seine Vollstrecker auch Kurdistan unterworfen und die Völker zum Islam bekehrt.
Doch kaum hatten die Kurden unter den Arabern eingerichtet, dann waren sie an der vordersten Linie der neuen Religion. Teils waren es innere Machtkämpfe, teils äußere Feinde, die, die Verhältnisse in diesem Gebiet Vorderasiens wieder einmal grundlegend veränderten. Doch obwohl ihr Machteinfluss zunehmend schwand die Lehre von dem einen und einzigen Gott Allah hätten sie die Stämmen Kurdistan für immer eingeprägt.

Und nun war von Osten her eine neue Macht im Anmarsch, die Türken. Sie nannten sich Seldschuken nach ihrem Häuptling Seldschük und waren noch um die Jahrtausendwende ein unbedeutender turkmenischer Stamm, der nomadisierend die Steppen an Aralsee und Kaspischem Meer bevölkerte. Immer auf der suche nach neuen Weideplätzen für ihre Viehherden und ausgestattet mit einer gefürchteten Raubsucht, drangen sie immer weiter nach Westen vor, andere Stämme schlossen sich dabei an.
Anfangs wurden sie von den bereits bestehenden türkischen Dynastien, beispielsweise den Ghansnawiden, geduldet, anderen Stämmen gelang es auch, sie vorübergehend aus ihren Gebieten zu vertreiben. Doch die Seldschukische Lawine wuchs und wälzte sich unaufhaltsam nach Westen. Wo immer sie auf tauchten, raubten und plünderten sie und griffen selbst größere Städte an .
Das erste Mal trafen die Kurden 1029 im Osten in Ray auf die Saledschken, von denen sie vernichtend geschlagen wurden.
Wenig später dringen sie im Norden in den Stamm Gebiet der Gilali- Kurden ein, während sie im Süden Bagdad erobern und so das kurdische Gebiet in seiner gesamten briete überrennen
Das Jahrhundert ist noch nicht zu Ende da beherrschen die Wilden Horden den größten Teil des alten islamischen Staatensystems.
Bereits unter Seldschk hatten die Seldschuken den sunnitischen Glauben angenommen, jene orthodoxe islamische Strömung, die, die Sammlung von Mohammed belieferte Bräuche und Verhaltensregelen, gleichberechtigt neben den Koran(Heilige Buch) stellte.
Diese (Sunna) bot ihnen das theoretische Werkzeug zu den kriegerischen Expansion. Beispielweise verlangten Mohammeds Überlieferungen die absolute Unterwerfung alle Unglaubligen, worunter die Seldschuken generell Andersgläubige verstanden und somit jeden Krieg gegen diese als heilig legitimierten.
Nicht weniger entscheidend war der durch Priester und Heerführer wesentlich unterstützte Glaube an der
Kismat (Schicksal oder Gottes Willen). Dieses kismat (Schicksal) sei von Allah für jeden einzelnen
genau vorbestimmt, womit auch Todesstunde und -ort eines Kriegers festgelegt waren. Letztlich war es
unwichtig ob dem Kämpfenden ein gleich starkes oder gar übermächtiges Heer von Feinden überstand- kein Pfeil,
keine Lanze, kein Schwert konnte ihn gegen den Willen Allahs töten.
So galt der gefährlichste Platz auf
dem Schlachtfeld als ein Platz der Bewährung vor dem Allerhöchsten. Und wenn dieser im Kampf gegen die
Ungläubigen den Tod finden ließ, den beschenkte er dafür übermäßig im Paradies, dass ihm die Erfüllung
all seine Wünsche verhieß.
Derart von der Idee des Heiligen Kriegs ergriffen und im Glauben an das Kismat warfen sich die Seldschuckenkrieger mit wahrer Todesverachtung auf alles, was sich ihnen auf ihren Raub- und Eroberungszügen in den Weg stellte. Ihre Wahlspruch hieß Tod oder Bekehrung, aber letztlich fragten sie in Ihr Gier nach Beute und immer neuen Weideland nicht mehr nach dem Glauben, sondern rotteten auf ihren Zügen ganze Dörfer und Stämme aus, verwüsteten die Städte, raubten die Kulturgüter und erschlugen die Bauern, um auf deren Land ihr Vieh weiden zu lassen.
So war der Einfall der Seldschuken zunächst ein auch ökonomisch schmerzlicher Rückschlag. Dabei erwies sich
die Seldschukenherrschaft keinesfalls als so stabil und allgegenwärtig, wie ihre aggressive Expansion es hätte
vermuten lassen. Ihre eigentliche Stärke war ein Stehendes Heer, das sie mittels eines ausgeklügelten Lehnwesens
unterhielten. Die Offiziere erhielten statt Sold Ländereien, deren Einkünfte ihnen zur Verfügung standen,
mit denen sie aber wiederum ihre Soldaten unterhalten mussten. Damit waren Keimzellen für eine militärische
Feudalaristokratie gegeben, die einerseits einen gewissen ökonomischen Aufschwung mit sich brachte, einfach
erklärbar aus der Tatsache, dass die Offiziere oder Vasallen unmittelbar am wirtschaftlichen Gewinn interessiert waren.
Immer wieder versuchen die Kurden auf ihrem Territorium die Grundlagen dieses Staates zu untergraben. Dabei ist es fast ein Kuriosum zu nennen, dass die Aufspaltung des kurdischen Volkes in eine Vielzahl einzelner und häufig verfeindeter Stämme nicht unwesentlich dazu beitrug, die Dynastie der Seldschuken- die sich in ihre realen und konstanten Machtausübung im wesentlichen auf west _Iran und den Irak beschränkte, nie zu Ruhe kommen zu lassen.
Vielfältig sind die historischen Nachrichten über Aufstände. Selbst die teilweise Vernichtung kleiner kurdische Dynastien,
wie beispielweise der Banu, Annaz, von denen 2000 Mitglieder getötet wurden und deren gesamter Besitz an die Seldschuken fiel,
dämmten den Aufruhr nur partiell ein. Und hatten sich auch manche Dynastie - so wie die der Djuzkan- nach zwecklosem
Widerstand unterworfen, hatten ihre Stammesführer sich mit den Seldschken engagiert, waren Heerführer
oder Offiziere geworden. Aber stellten diese lokalen und verstreuten Bastionen jedoch nie auf längere Zeit
eine Garante für die fremde Oberherrschaft dar.
So ist kaum verwunderlich, dass sich in der Seldschkendynastie neuerlich kleine kurdische Fürstentümer
herausbildeten- nicht selten parallel zum Untergang anderer. Und sogar eine Provinz Kurdistan vermeldet zu
dieser Zeit die Geschichte, von der zuerst die Seldschuken selbst die Nachrichten geben: Ihr Zentrum soll Bahar
gewesen sein, nördlich von Hamadan, und sie soll in einer recht hohen Blüte gestanden haben. Dies ist aber
schon zu einer Zeit gewesen, da die Herrschaft der wilden Horden ihren Zeot überschritten hatte.
Fast ein Jahrhundert hatten gihad und kismat Heiliger Krieg und Schicksalsergebener- die nomadisierenden Seldschuken geeint, der Aufgabe jedoch, einen Staat- ohne Raub und Plünderung- zu erhalten, waren sie nicht gewachsen. Ende des 11. Jahrhunderts zerfiel das einstmals mächtigste Reich der Vordern Orients.

Es ist das Jahr 1095, das Seldschukenreich ist auf dem Gipfel der Macht, und seine Nomaden Krieger stehen am Ufer des Mittelmeers, da hält am 26 November Papst Urban II auf der großen Kirchenversammlung im französischen Clermont eine zündete Rede, die das Morgenland schlagartig in den Mittelpunkt religiösen Eifers und politischen Kalküls rückt.
Vor Tausenden von Gläubigen beschwört der Papst ein Bild der Not und des Schreckens: Das Land, wo Christ Füße gestand, befinde sich in den Händen der Barbaren, schutzlos sei die Heilige Grab, die Wahlfahrten der Christen nach Jerusalem seien aufs äußerst bedroht und die Misshandlungen der Pilger unerträglich.
Die Stimmung ist günstig im religiös und kriegerisch Abendlands- und
als Urban II zur Befreiung des Heiligen Grabes und zur Herstellung der Christlichen-Herrschaft
in Palästina aufruft, schalt ihm ein zehntausendfaches, Deus lo volt (Gott will es), entgegen.
Knapp 500 Jahre zuvor hatte Mohammad in Medina die Gläubigen zum Gihad (Heilige Krieg), aufgerufen, und viele Tausende folgten ihm und zogen mit Schwert und Koran gegen die Ungläubigen. Auch Papst Urban II. beschwor 1059 im französischen Clemont die Gläubigen zum Heiligen Krieg, und wiederum setzten sich Tausende und aber Tausende in Bewegung, diesmal bewaffnet mit Bibel und Schwert.
Die Welt hat ihren ersten Kreuzzug, dem im Verlauf von fast 200 Jahren noch weitere sechs folgen sollten. Religiöser Eifer und weltliches Machtstreben, Flucht aus drückenden Lebensverhältnisse oder einfach zur Wanderlust und Hoffung auf Abenteuer hießen die Motive, und die anfangs planlos aufbrechenden Scharen, nicht selten notdürftig ausgerüstet, endeten im Fiasko, ohne auch nur die heilige Erde betreten zu haben.

Kreuzzug
Zweihundert Jahre lang sollten Gihad und Kreuzzug aufeinandertreffen, zweihundert Jahre lang Kampf um ein christliches oder islamisches Palästina, der zuweilen mit unbeschreiblicher Härte geführt wurde und auf den beiden Seiten Ströme von Blut flossen. so berichtet die Geschichte, dass die Kreuzfahrer als sie 1099 nach fünfwöchiger Belagerung endlich Jerusalem einnehmen konnten, ungeachtet des Glaubens alles und jeden in der Stadt niedermetzelten über Berge von Leichen sollen sie zur Kirche des Heiligen Grabes gestiegen sein. Ihr Versuch, auch Damaskus zu erobern, schlug jedoch fehl, wie überhaupt der Christlichen Invasion in Palästina sich nie über einen längeren Zeitraum behaupten konnten
In diesem Glaubenskrieg, der wie manche vor und nach ihm in vieler Hinsicht ein religiös bemäntelter
Machtkampf war, standen die Kurden an der Seite der Araber. Und besonders einer von
ihnen erwarb sich großen Ruhm und beleibendes Gedenken in der Geschichte des Islams
und des kurdischen Volkes: Salah ad-Din Yusuf ibn Ejub(1137-1193), genannt Saladin,
der Sultan von Ägypten und Syrien und Begründer der Dynastie der Ayyubiden, Sohn
des Kur den Eyub. Mit seinem arabisch-kurdischen Heer schlug er am 4.7.1187 in einer
der blutigsten Schlachten der Kreuzzüge 60 000 christliche Invasoren bei Hittin am
See Genezareth und eroberte am 2. Oktober Jerusalem. Im Gegensatz zur Einnahme der
Stadt durch die Kreuzritter einhundert Jahre zuvor, behandelte Saladin die Einwohner
mit unerwarteter Großmut, was ihm auch bei den Europäern bleibende Achtung einbrachte.
Salahadin mit Bischof von Salzburg
Video-Salahadin
Dieser Sieg rettete nicht nur die Herrschaft der Araber in Palästina, er bedeutete gleichzeitig eine Vorentscheidung für die weiter Kreuzzüge. Nachdem Saladin einen Waffenstillstand mit den Christen vereinbart hatte, und ihnen den Zugang zu ihren heiligen Stätten ermöglichte, geschah während seine Herrschaftszeit in Palästina nichts mehr gegen den Willen des Kurdischen Fürsten. Noch einmal, doch nach Saladins Tod, vermochten die Kreuzritter während des sogenannten fünften Kreuzzuges mit Gewalt in Jerusalem einzudringen, wo sich der römische Kaiser Friedrich II. (1194-1250) 1229 auch zum König von Jerusalem und Nazareth krönen ließ.
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